Das Ende

Weil das Studentinnen- oder Studentenleben so grandios schön ist, muss unbedingt noch ein Jahr draufgelegt werden. In dieser Zeit schreibt die fleißige Studentin oder der fleißige Student die Diplomarbeit oder tut so, als ob sie oder er sie schreibt. Mit einem oder mehreren Nebenjobs oder noch ein bisschen Unterstützung von den Eltern ist das kein Problem.

Vorbei ist also die Zeit des unklaren Status zwischen Studium und Turnus, es beginnt die Phase des noch unklareren Status zwischen Basisausbildung und Turnus. Weil die neue Ausbildungsordnung so super ist, dauert es nur mehr zwei bis zwölf Monate zum Antritt einer Stelle, mit garantierter Allgemeinmedizinausbildung im Anschluss und einem zufällig auf neun Monate befristeten Vertrag. Zwei Ausbildungen zu beginnen geht ja jetzt angeblich nicht mehr, also kann bis zum Antritt einer Fachärztinnen- oder Facharztausbildung die Krankenhausträgerin oder der Krankenhausträger gewechselt werden. So sieht die oder der ambitionierte Auszubildende mehr von der Welt, wenn es schon keinen Allgemeinturnus mehr zur Orientierung gibt.

Nach einem Jahr des Nichtstuns oder des verzweifelten Suchens nach alternativen Berufsfeldern darf die diplomierte Medizinerin oder der diplomierte Mediziner ihre oder seine vollkommene Unfähigkeit in der Klinik präsentieren. Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber merkt das nicht, die Tätigkeiten ohne jegliche Verantwortung im KPJ nehmen doch die größten Turnusfauxpasse vorweg.

Auf gehts ins Londesklinikum Villach, nach St. Pölten, Tulln, in den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), eventuell sogar ins Ausland oder noch schlimmer: Ins Burgenland oder nach Vorarlberg. Irgendwo sucht eine Klinik immer händeringend nach Arbeitstieren. Bei einer Stelle in Wien braucht es am wenigsten Eingewöhnungszeit nach dem harten, zeitintensiven Studium. Spätestens um 13 Uhr steht nämlich schon der Feierabend an.

Nun beginnt der Ernst des Lebens also wirklich, zumindest für neun Monate. Es sind noch immer nicht alle Plätze in der neuen Ausbildungsordnung genehmigt. Wofür auch, es gibt sowieso zu viele Ärztinnen und Ärzte pro Kopf.

Es wird spannend werden.

Zitate

„Du bist rot!“, sagt der Oberarzt auf der Onkologie vorm Patienten, um einen roten Stift auszuleihen. „Bis in den Tod“, antwortet der Commontrunkler, um sich danach in Erinnerung zu rufen, dass er gerade eine Chemotherapie anhängt.

„Da sind keine Pickerln drauf“, kritisiert der Labormediziner den Commontrunkler vor der Knochenmarkspunktion. „Ja, aber weißt Du wer schuld ist? Jemand anderes“, gesteht sich der Commontrunkler ehrlich seinen Fehler ein.

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