Die Stelle wollen

Endlich ist das richtige Fach oder Allgemeinmedizin gefunden. Wenn es unbeliebt ist, besteht sogar in Österreich eventuell eine Chance auf eine Stelle. Trotzdem sind da noch ein paar andere, die sich schon lange angestellt haben, um eingestellt zu werden. Die verschiedenen Typinnen und Typen werden hier aufgelistet.

Die Familiengeschichte

„Kennen sie meinen Herrn Papa? Der erzählt immer, wie toll sie sind.“ Gerüchteweise gibt es angehenden Ärztinnen und Ärzte, die sich nur über das Elternhaus definieren. Die Bewerbung wird sofort an alle, die die selbe Privatschule besucht haben, verschickt. Verzweifelt wird jede Unterhaltung auf „ich war schon bei xyz, das ist ein guter Freund von uvw und unsere Familie kennt auch rst.“ gelenkt.

Nach der 28. Wiederholung der Familiengeschichte, bis alle Schlüsselpersonen auch wirklich alles über die tolle Familie wissen, wird es für Außenstehende langweilig. Dass die eigenen Fähigkeiten nicht automatisch ererbt sind, wird den Familiengeschichtenerzählerinnen und -erzählern erst später bewusst, wenn sich alle angeekelt abwenden. Oder gar nicht.

Die Schleimerei

Wenn nicht mit Kompetenz oder Charme gepunktet werden kann, muss das gute alte Schleimen herhalten. So oder so ähnlich könnte dann eine Diskussion zwischen Primaria oder und zwei konkurrierenden Aspirantinnen oder Aspiranten aussehen:

1: „Was sagen Sie zur Wahl am Sonntag?“ – Es wird schon ein ganz falsches Thema gewählt.
P: „Naja, jetzt sind alle böse, weil so viele Migrantinnen und Migranten kommen, aber das ist halt so, weil die jetzt Handys und Internet haben, und dann erst mal sehen, wie gut es uns hier eigentlich geht. Das gab’s früher nicht.“
2: „Hm. Ich war bei einem Vortrag, wo ein deutscher Philosoph und Ökonom vorgerechnet hat, wo das Problem bei der Migration liegt. Der hat den Kriegs-Index entwickelt, auf dem die Genfer Flüchtlingskonvention basiert. Das ist der Quotient aus jungen Männern durch alte Männer. Und wenn viele Junge um eine Stelle von einem Alten konkurrieren, bleibt ihnen im Endeffekt nur Krieg oder Migration. Das könnte schon auch mit ein Grund sein.“
P: „Ja, stimmt eh.“
1: „Nein, ich glaub schon, dass das was der Herr Professor gesagt hat, stimmt.“

Punkt für Aspirantin bzw. Aspirant Nr. 1.

Der Lebenslauf

Privatschule, 100e Praktika, schon hinter sich gebrachte Assistenzzeit. Da aus unerfindlichen Gründen trotzdem nicht mit Kompetenz gepunktet werden kann, wird halt einfach erzählt und erzählt und erzählt, wie nett irgendwelche Professorinnen und Professoren in Spitälern sind. Für Stellenwollende, die in ihrem Leben weniger Zeit in die Ausbildung investieren wollten oder konnten, bringt dieser Punkt nur Nachteile.

Die Besserwisserei

Von den Eltern und der Familie wird immer nur erzählt, wie toll der eigene Spross ist. Das schlägt sich nieder, alle anderen müssen das auch erfahren. So könnte man in eine Diskussion über Rechtsschenkelblöcke einbringen, dass in Amerika eine ganz besondere Art der Lagetypbefundung gelernt wurde: Der Cabrerakreis. Dann dürfen sich fertige Fachärztinnen und Fachärzte, gleichzeitig Allgemeinmedizinerinnen oder Allgemeinmediziner anhören, dass der Lagetyp mit dieser „speziellen“ Methode ganz einfach bestimmt werden kann. Auf die Frage, wie der Rechtsschenkelblock nun im EKG erkannt wird, darf dann auch geantwortet werden:

„Ja, den Rechtsschenkelblock, den erkenne ich dann im EKG.“

Und die anderen

Da eine Stelle für die Begabten, mit berühmten Familien gesegneten anstrebenden zukünftigen Starfachärztinnen und -fachärzten die Stelle mit oben genannten Methoden schon sicher ist, müssen sich alle anderen Alternativen suchen. Ausland, Allgemeinmedizin oder Schmetterlingsfächer.

Oder es wird einfach bodenständig, freundlich und bestimmt hart gearbeitet, Interesse gezeigt und man macht unbezahlte Überstunden. Mit einer besonderen Art von Humor könnten die Loser auch eventuell in besondere Teams passen. Für manche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sollen diese Qualitäten ja angeblich auch noch wichtig sein. Der ein oder andere nicht-grenzdebile Kommentar zum Weltgeschehen zeigt dann vielleicht auch noch das mangelnde Interesse an allem anderen außer dem Fach der Konkurrenz auf.

Beim Essen kann dann darüber diskutiert werden, warum manchen die Frisur zu schade ist, um mit Helm radzufahren.

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