Offener Brief an die Tagespresse

Der Text repräsentiert nicht die Meinung des gesamten stupmed-Teams und ergeht in einer Mail eines unserer Autoren an dietagespresse@gmail.com. Der Autor möchte die Tagespresse nicht in einem Atemzug mit mit Gernot Kulis nennen. Aber er tut es. Außerdem heißt der Test nicht mehr EMS. Und EMS-Test hat er überhaupt nie geheißen.

Geschätztes Tagespresseteam!

Ich beziehe mich in dieser Mail auf diesen Beitrag: https://dietagespresse.com/quiz-wuerden-sie-den-medizin-aufnahmetest-schaffen/

Als humorliebender Mensch finde ich die Tagespresse seit der starken Kommerzialisierung des Projekts nicht einmal mehr annähernd witzig. Die Ausnahme stellen einige halb- bis viertelwitzige Überschriften dar. Beim dazugehörigen Text wird die naive Leserin oder der naive Leser dafür umso mehr enttäuscht. Das alles sehe ich nicht als Problem, solange man nur maximal mit Überschriften in Links ihres oder seines sozialen Netzwerks konfrontiert wird.

Beim oben genannten Beitrag haben jedoch Bekannte Testergebnisse veröffentlicht. Als an medizinischen Themen interessierter Journalist habe ich meinen zirka fünf Jahre alten Laptop um 430 Euro, das darauf installierte System und meine Sicherheit deshalb völlig sinnbefreit mit dem temporären Erlauben von Scripts der Tagespressedomain belastet.

Die Fehler fangen schon bei Frage 2 an. Welche Medizinerin bzw. Welcher Mediziner ist so am Weltgeschehen interessiert, dass sie bzw. er Armin Wolf kennen würde? Weiters ist Demokratie in Gesundheits- und Krankenanstalten ein Fremdwort. Viel naheliegender wären die beiden anderen Antworten in einem multiple Choice-Format.

Frage 3: Wo soll eine durchschnittliche Medizinerin oder ein durchschnittlicher Mediziner den WKO-Song hören? Woher sollen die wissen, was die WKO ist, und dass sie diese Kampagne für 500.000 Euro gestartet haben? Die richtige Antwort wäre hier eindeutig „Despacito“, weil der Song mutmaßlich jeden Abend in der Passage laufen könnte.

Bei Frage 4 ist der Fehler eindeutig, dass vier Ärztinnen bzw. Ärzte am Patienten abgebildet sind. Einen Hinweis auf eine fehlende oder vorhandene Zusatzversicherung findet sich im Bild nicht, und Wartezimmer können durchaus auch leer sein.

Frage 5 impliziert, dass ein Chirurg irgendwann in die Verlegenheit kommen könnte, eine E-Card zu stecken. In einer Kassenordination macht das natürlich die zur Ordinationshilfe umgebildete Ehefrau und Juristin, oder der ebenfalls medizinstudierende Freund der ebenfalls medizinstudierenden Tochter, der sich über etwas Zusatztaschengeld für die Weltreise nach dem Studium freut.

Frage 6: Einen Reitstall leisten sich höchstens Primariae oder Primarii. Die eindeutig naheliegendere Antwort ist die Pratersauna.

Frage 9: Welcher Anwalt lässt seine Erben zu Medizinerinnen- oder Medizineridioten werden, außer sie sind wirklich intelligent und streben eine relevante Karriere in der Wissenschaft an? Als Distraktor ist diese Antwort denklich ungeeignet.

Bei den übrigen Fragen sind entweder die Antworten zu eindeutig oder die Distraktoren zu absurd. Die würden es nichteinmal durch eine SIP-Fragenkommission schaffen. Und durch eine SIP-Fragenkommission schafft es eigentlich jede auch noch so schlechte Frage mit noch so schlechten Antworten.

Ich kann mir dieses Desaster nur erklären, indem ich annehme, dass der Beitrag von einem Medizinstudenten geschrieben wurde. Einer Medizinstudentin traue ich so viel Unfähigkeit nicht zu. Oder es waren halblustige Juristinnen oder Juristen, die sich jeden Tag über das Gefälle im sozialen Status gegenüber Medizinerinnen und Medizinern ärgern.

Ein veröffentlichter Text wie dieser schadet dem Ansehen von lustigen Medizinerinnen und Medizinern, die fähig sind, einen verständlichen Satz mit mehr als zwei Wörtern zu verfassen, Journalistinnen und Journalisten und nicht zuletzt lustigen Juristinnen und Juristen.

Ich würde Sie bitten, vor der Veröffentlichung des nächsten derartigen Beitrags jemanden zu konsultieren, die oder der zumindest grundsätzlich bereit ist ihre oder seine letzte vorhandene Gehirnzelle auch zu benutzen.

Die Empfehlung bei 4/9 richtig beantworteten Fragen macht nämlich durchaus Hoffnung, der Vorschlag ist konstruktiv und treffend, fast schon lustig.

Ich freue mich über eine konstruktive Auseinandersetzung mit dieser Kritik und ersuche höflichst, bei etwaiger Veröffentlichung von Auszügen dieses Textes aus datenschutzrechtlichen Gründen auf die Weitergabe oder Veröffentlichung meiner persönlichen Daten und meiner Domain zu verzichten.

Dieser Text ergeht zur weiteren Diskussion in Blindkopie an eine Juristin, einen Mediziner, der des Lesens und Schreibens mächtig ist, und an einen der Wahrheit verpflichteten Journalisten.

Vielen Dank und
bei ohnehin sehr geringer Erwartungshaltung trotzdem überraschend enttäuschte Grüße

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