Rounds with Benefits

Empathie und Zuwendung sind die wichtigsten Eigenschaften für eine Tätigkeit im Gesundheitsbereich. Die Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten sind ausreichend belegt. Da ist es nur logisch und gut, wenn sich einige noch mehr für Menschen unter ihrer Obhut einsetzen. Die große Frage alle Fragen ist und bleibt aber wie überall: Ab wann sollte Schluss sein?

Die heute erzählten Geschichten werden dem vielversprechenden Titel gerecht. Um den Spannungsbogen noch epochaler zu gestalten, wird mit der langweiligeren Story begonnen. Wir respektieren die Privatsphäre von Patientinnen und Patienten und nennen natürlich keine Namen und Spitäler. Aber wir sehen uns verpflichtet, folgende Ereignisse für die Ewigkeit festzuhalten.

Wir befinden uns auf einer Unfallabteilung eines österreichischen Spitals. Die Visite nimmt ihren gewohnten Verlauf. Ahnungslos wundern sich die stationsführenden Oberärztinnen und Oberärzte über kryptische Werte auf Laborbefunden. Die gewohnten Diskussionen mit Anästhesistinnen und Anästhesisten finden statt.

Der triste Alltag wird allerdings von einem Verbandswechsel an einem Unterschenkel unterbrochen. Genervt werden die Wundverhältnisse bewundert. Im Gedanken wird schon das Dermakonsil formuliert.

Na gut, dann wechseln wir heute den Verband mal selber. Hoffentlich geht ein bisschen Zeit verloren und wir werden in den OP gerufen, sodass die anstrengende Visite mit zwei Minuten Aufenthalt pro Bett, nicht fertiggegangen werden muss. Doch was ist das? Das Nachthemd hebt sich noch weiter nach oben. Wir sehen schon fast das Knie, das interessiert uns doch nicht, keine K-TEP, keine Relevanz. Warum kichern alle plötzlich, warum wird die Patientin bzw. der Patient – Datenschutz wird bei stupmed noch immer großgeschrieben – so unruhig? Das müssen wir uns jetzt einfach anschauen, wir sind zukünftige Ärztinnen bzw. Ärzte. Ohne Kranke wäre im Gesundheitssystem alles so viel angenehmer. Der Blick wandert weiter nach kranial. Zu weit, eine Erektion streckt sich unserer Nase entgegen. Das ist wirklich lustig. Gelacht soll jetzt aber auch nicht werden. Pflege, bitte macht ihr das fertig, wir müssen in den OP. Wenn wir das beim Mittagessen erzählen, sagt die eine Kollegin bzw. der eine Kollege sicher wieder: „Am Unterschenkel? Ich hätte nicht gedacht, dass noch jemand hier gleich gut ausgestattet ist wie ich.“

Die zweite Story handelt von einer exzellenten Lehrvisite in einem exzellenten Lehrkrankenhaus in Österreich. Wir befinden uns auf einer Abteilung für Urologie. Das Fach ist an sich schon zwanghaft lustig. Mit „Mein Name ist Klatte, wie Latte nur mit K, das passt genau zu meinem Fach.“, stellt sich eine Professorin bzw. ein Professor, deren bzw. dessen Name hier natürlich nicht erwähnt wird, bei der ersten Lehreinheit vor.

Wer hier auf Vorkommnisse beim Katheterisieren gehofft hat, wird enttäuscht. Es geht um ein trauriges Thema: Das Peniskarzinom. Geschlecht und Name der Patientin bzw. des Patienten werden, um die Anonymität zu wahren, natürlich nicht verraten. Die Oberärztin bzw. der Oberarzt inspiziert die Pathologie vorbildlich. Irgendwann wird der Vorgang allerdings zu genau: Mütze – Glatze – Mütze – Glatze – Mütze – Glatze… Das unvermeidliche passiert. Der Untersucherin bzw. dem Untersucher kommt eine feuchte Überraschung entgegen. Wo diese gelandet ist, wird der Phantasie der Leserinnen und Leser überlassen.

Auch wenn dieser Text keine wirkliche wissenschaftliche Aufarbeitung der Problematik bietet, es kann eindeutig gezeigt werden, dass auch bei Empathie die Dosis das Gift macht. Rote Rakete, rote Rakete, rote Rakete.

Beim Essen kommt wirklich der oben schon angekündigte Kommentar von der Kollegin bzw. vom Kollegen. Der Appetit verschwindet trotzdem nicht mehr, schon lange nicht mehr.

Zitate

„In einem Zustand geistiger Onanie bin ich auf die Idee gekommen, den Gastrinspiegel abzunehmen.“
– Ein Chirurg setzt sein durchschnittliches Internes wissen in die richtigen Proportionen

„Kann mir das jemand aus den Augen putzen, aber ohne Alkohol bitte.“
„Ich würd‘ schon einen Schluck nehmen… Keine Sorge, ich habe heute noch nichts getrunken, es ist noch vor 10 Uhr.“
„Sie müssen das so sehen Herr Kollege, irgendwo wo auf der Welt ist jetzt sogar schon 16 Uhr.“
– Ein KPJler nutzt die kurze Unterbrechung im Urologie-OP um seine eigene Alkoholanamnese zu erzählen, der operierende erste Oberarzt macht mit

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