Wie die Diplomarbeit nicht laufen soll

SSM 3 steht vor der Tür. Das Studienende scheint trotzdem noch weit genug entfernt, um entspannt an die Diplomarbeit heranzugehen. Die Entscheidung darf bloß nicht nach dem Interessantheitsgrad des Themas getroffen werden. Viel zu Riskant sind diverse unvorhersagbare Variablen. Wie gut ist die Betreuung, wie kooperativ das auserwählte Institut oder Station? Vor allem sollte keine Diplomarbeit mit Patientinnen und Patienten durchgeführt werden, denen nachzulaufen ist überhaupt das Schlimmste an der ganzen Sache.

Hubschrauberausflüge mitzählen, Softwares testen oder retrospektive Datenauswertungen sind die angenehmsten Optionen für eine Diplomarbeit. Medizingeschichte wäre auch noch möglich. Dort ist allerdings die Fähigkeit sich gut auszudrücken entscheidend. Da 99% der Medizinerinnen und Mediziner schon beim Ausfüllen einer Überweisung scheitern, ist da vielleicht nicht genug Potential für eine ganze Diplomarbeit vorhanden.

Ist die Entscheidung für ein uninteressantes Thema mit kompetenter Betreuerin oder kompetentem Betreuer gefallen, sollte der Rest nur mehr Formsache sein. Eine Kooperation zwischen zwei Instituten ist vielleicht eine ganz gute Idee, so wird die Diplomarbeit vielleicht interessanter. Wenn es zum auserwählten Forschungsbereich bis jetzt noch nicht wirklich vorhandenen Daten gibt, liegt die Latte nicht so hoch.

Ein paar Fragen bei uninteressanten Themen, die noch nicht von vielen bearbeitet wurden, tun sich bei der Erstellung des Projektplans dann auf: Was machen wir jetzt eigentlich? Was will die bzw. der eine Betreuerin bzw. Betreuer, und was will die bzw. der andere Betreuerin bzw. Betreuer? Welche Literatur ist jetzt wirklich relevant? Wie soll der aktuelle Wissenstand zusammengefasst werden, wenn es keinen gibt? Wie viel Phantasie wird für das zusammenspinnen der Forschungsfragen benötigt? Welche Daten in welcher Form können hier überhaupt erhoben werden? Ist es jetzt zu spät, das Thema zu wechseln?

Viele viele viele Stunden später sind sinnlose Forschungsfragen vage Formuliert, die Rahmenbedingungen ungefähr festgelegt und ein Projektplan, bei dem Leserinnen und Leser am Ende hoffentlich wieder vergessen haben, worum es geht, verfasst. Die Daten werden schnell noch hilflos zusammengeschustert, eine sinnvolle Statistik lässt sich daraus nicht erstellen. Aber das will sowieso niemand. An das Anmelden der Diplomarbeit wird noch gar nicht gedacht. Ein Ethikvotum fehlt auch noch. Kann das Thema jetzt noch gewechselt werden?

So wird dann zwei Jahre herumgetümpelt, obwohl medizinische Diplomarbeiten ohnehin nur Formsache sind. Im alten Studienplan konnte zwischen Diplomarbeit und Wahlfächern entschieden, und noch als echte bzw. echter Doktorin bzw. Doktor abgeschlossen werden. Aber wenigstens verlängert sich durch exzessives Prokrastinieren die Studienzeit, die schönste Zeit im Leben.

Das Ding muss also noch geschreiben werden. Ghostwriter kosten für medizinische Diplomarbeiten zwischen 7.000 und 11.000 Euro. Das wurde nicht gezielt recherchiert. Bei einem der vielen Facebookbesuche, die eine der sinnvollsten Alternativen zum Schreiben sind, ist ganz komplett zufällig Werbung dafür aufgetaucht. Ehrlich. Aber vielleicht wird es nun langsam Zeit für einen Wechsel des Diplomarbeitsthemas!

In der Danksagung werden Mjam.at bzw. lieferservice.at und McDonald’s als größte Unterstützer zum Gelingen des Projekts eingetragen.

Zitate

„Guten Morgen Herr Professor! Ich bin der neue KPJler, darf ich ihnen heute Gesellschaft leisten?“ – „Wenn ich ehrlich bin passt mir das gar ned, wenn’S niemanden andren finden können’S ja nochmal bei mir vorbeischauen.“
In Lehrkrankenhäusern wird Lehre großgeschrieben

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